Konrad

NICHT OHNE MEINE FREUNDE

Am 13. März haben sie zugemacht. Das war mein Geburtstag, deshalb erinnere ich mich so genau. Ich war mit meinen Freunden essen, als die Nachricht kam. Dann blieb die Schule erst mal bis zu den Osterferien geschlossen.

 

Das mit dem Homeschooling funktionierte eigentlich ganz gut. Gerade noch rechtzeitig wurde bei uns eine digitale Lernplattform eingeführt, über die wir von Anfang an mit unseren Lehrern kommunizieren und Aufgaben hochladen konnten. Bei uns hat jeder sein eigenes Zimmer und einen eigenen Computer. Das war ein großer Luxus, denn meine Eltern und meine kleine Schwester arbeiteten und lernten ja jetzt auch von zuhause aus. Zu Weihnachten hab ich mir ein iPad gewünscht und bekommen, was mir das digitale Arbeiten im Homeschooling, aber auch später im normalen Schulbetrieb erleichtert hat.

 

Ein paar Wochen nach der Schulschließung fing das dann mit den Zoom-Konferenzen an. Die fand ich nicht so gut, weil es zu viele Gelegenheiten gibt, sich abzulenken. Sie sind besser als nur Aufgaben oder gar kein Unterricht, aber so richtig konzentrieren kann sich da keiner und gefühlt waren es immer nur drei bis vier Schüler, die mit dem Lehrer Unterricht gemacht haben. Für die war das sicherlich auch hart, weil sie kein Feedback aus unseren Gesichtern lesen konnten.

 

Ganz wunderbar fand ich dann den Wechselunterricht! Da war immer nur die halbe Klasse anwesend und die Lehrer konnten in aller Ruhe auf jeden von uns eingehen. Ich wünschte, es wäre immer so! Wenn der Staat viel Geld und genug Lehrer hätte, dann sollte er überall noch ein zweites Schulgebäude hinstellen und die Klassengrößen halbieren. Und natürlich in bessere Technik investieren.

 

Es war schade, dass mein Auslandsaufenthalt geplatzt ist. Ich wollte im Sommer für ein halbes Jahr in Neuseeland zur Schule gehen, aber die haben ja ganz früh schon ihre Grenzen geschlossen. Ersatzweise sollte es dann nach Kanada gehen, doch da war die Einreise dann  auch nicht mehr möglich.

 

Sehr vermisst habe ich den Sport. Ich spiele normalerweise drei Mal pro Woche Fußball, seit den Herbstferien gab es aber kein Training und auch keine Punktspiele mehr. Der Verein hat irgendwann begonnen, Online-Workouts anzubieten. Das war gut, hat aber nicht die Begegnung mit der Mannschaft ersetzt. Manchmal bin ich sonntags mit meiner Freundin Runden gelaufen. Sie ist Leichtathletin.

 

Am wichtigsten war für mich, dass ich die ganze Zeit über meine beiden besten Freunde treffen konnte. Wir sind dann eben bei einem von uns zuhause geblieben, aber wir waren zusammen. Immer nur online lernen, spielen und kommunizieren, das wird irgendwann langweilig.

Meinen Geburtstag haben wir zu dritt bei uns im Garten gefeiert und Stockbrot am Lagerfeuer gebacken. Das war sehr schön.

 

Manchmal frage ich mich, was ich im letzten Jahr gemacht hätte, wenn kein Lockdown gewesen wäre. Ob ich dann wohl noch dieselben Freunde und Interessen hätte? Oder wäre ich heute ein ganz anderer? Aber insgesamt ging das schon alles irgendwie.

 

 

18. Juni 2021

Konrad-12.jpg

Konrad (16) besucht die 10. Klasse am Gymnasium und meisterte die Herausforderungen des Pandemie-Alltags mit Optimismus und seinen Freunden.