Eva & Hajo

SO FERN UND DOCH SO NAH

Unsere deutsch-österreichische Fernbeziehung gab es schon vor Corona, aber unmittelbar vor dem ersten Lockdown im März 2020 machten wir zum allerersten Mal gemeinsam Urlaub. Während dieser traumhaften Andalusien-Reise scherten uns die besorgten Reisewarnungen, die uns aus der Heimat erreichten, zunächst wenig. Doch schließlich realisierten auch wir den Ernst der Lage: Immer mehr Flüge wurden gecancelt und alle Reisenden suchten den schnellsten Weg nach Hause. So flogen auch wir früher als geplant zurück nach Wien und Bonn. Ein erstes Wiedersehen sollte es erst drei Monate später geben, denn Reisen war jetzt in ganz Europa verboten.

 

Wenn wir heute zurückschauen, dann steht fest, dass Covid-19 unserer Beziehung keinen Schaden zugefügt hat. Im Gegenteil, vielleicht wurde uns durch die unfreiwilligen Phasen der Trennung erst so richtig bewusst, was wir aneinander haben.

 

Ein großes Glück war dabei, dass wir gut ein Jahr vor Ausbruch der Pandemie begonnen hatten, unsere turbulente Liebesgeschichte aufzuschreiben, die inzwischen unter dem Pseudonym Jove Viller und dem Titel Wörterliebe als Roman erschienen ist. Dabei haben wir so viel Freude am gemeinsamen Schreiben entwickelt, dass wir den Plan schmiedeten, weitere Bücher zu verfassen. Und dafür hatten wir im Lockdown eine Menge Zeit. So viel, dass wir zwischen zwei Romanen auch noch eben zwei Kinderbücher für unsere Enkel einschieben konnten. Ohne Lockdown wäre das  undenkbar gewesen. Wir telefonierten mindestens zwei Mal täglich (die besten Ideen kamen uns meist beim Frühstück!) und tauschten uns zu den Inhalten der nächsten Kapitel aus. Da wir immer abwechselnd je ein Kapitel schreiben, ist ein intensiver Austausch immens wichtig. So ging uns nie der Gesprächsstoff aus und es war nicht nur unsere eigene Beziehung, die uns verband, sondern auch die der fiktiven Romanfiguren, die wir gemeinsam entwickelten.

 

Wir haben das Beste daraus gemacht, auch wenn wir uns lange gar nicht oder nur mit großen Schwierigkeiten sehen konnten. Und wir haben immer an uns geglaubt. Vielleicht kann man sogar sagen, dass die Corona-Zeit wertvolle Ruhe in unseren Alltag gebracht hat nach den Jahren der Trennungen, Enttäuschungen und Neuanfänge. Heute wissen wir, dass sich all das gelohnt hat und schätzen das blinde Verständnis, das uns verbindet. Wir sind glücklich über das, was wir haben und wünschen vielen Menschen, das Glück zu finden, das wir erleben dürfen.

4. Juni 2021

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Eva, 58, leitet einen Kindergarten in Wien und Hajo, 69, ist Berater, Coach und manchmal Rentner mit Wohnsitz in Bonn. Sie haben sich über ein Onlinespiel im Internet kennen- und lieben gelernt.